Ich wollte wissen, ob das Rebranding funktioniert hat. Also hab ich eine KI gefragt.

Vor ein paar Monaten ist aus Wunderfitzig Stressberatung die EQ-Zentrale geworden.
Von außen sieht das nach einem ganz normalen Rebranding aus. Neuer Name, neue Domain, neue Website. Für mich war das eher die logische Konsequenz einer Entwicklung, die schon vor Jahren begonnen hat.

Als ich Anfang 2023 gestartet bin, war Wunderfitzig Stressberatung eine ziemlich treffende Beschreibung meiner Arbeit. Stress war das Thema, mit dem die meisten Menschen zu mir kamen, und entsprechend hat sich auch meine Website darum gedreht.

Mit der Zeit hat sich allerdings etwas verändert. Nicht plötzlich, sondern eher Schritt für Schritt:
Ich habe Aus- und Weiterbildungen gemacht, weil mich Themen interessiert haben, die über klassische Stressberatung hinausgehen. Gerade die Emotionen hatten es mir angetan: je mehr ich lernte, desto faszinierter war ich. Aus jeder Weiterbildung sind neue Ideen entstanden. Aus den Ideen wurden neue Angebote.

Mimikresonanz®, emTrace®, Mesource®, Deeskalation, Workshops für Führungskräfte, Change-Begleitung, die Zusammenarbeit mit Transfergesellschaften – jedes dieser Themen hat sich ganz selbstverständlich in meine Arbeit eingefügt.

Irgendwann fiel mir aber auf, dass etwas nicht mehr zusammenpasste. Nicht die Angebote - sondern die Überschrift.

Wunderfitzig Stressberatung wurde mit jedem neuen Thema ein kleines bisschen unpassender.

Ich habe das eine Zeit lang dadurch gelöst, dass ich einfach weitere Angebote ergänzt habe. Das funktionierte auch. Jedes einzelne Angebot hatte seine Berechtigung. Gleichzeitig wurde es für Außenstehende aber immer schwieriger zu erkennen, was eigentlich der gemeinsame Nenner ist.


Rückblickend habe ich versucht, immer mehr Äste an einen Baum zu hängen, statt einmal auf den Stamm zu schauen.


Erst als ich das gemacht habe, wurde mir klar, dass sich meine Arbeit gar nicht in viele Richtungen entwickelt hatte. Im Gegenteil. Je mehr ich dazugelernt hatte, desto deutlicher wurde mir der rote Faden.

Ob ich mit einer Führungskraft an einem schwierigen Gespräch arbeite, einen Workshop zur Deeskalation gebe, Eltern unterstütze, Menschen in einer Transfergesellschaft begleite oder mit Mimikresonanz arbeite – letztlich geht es immer um dieselbe Frage:

Wie bleiben Menschen handlungsfähig, wenn Emotionen anfangen, das Steuer zu übernehmen?

Plötzlich ergaben auch all die Weiterbildungen einen anderen Sinn. Sie standen nicht nebeneinander. Sie haben denselben Kern aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet.

Potzblitz. Genau das war die Erkenntnis, die mir die ganze Zeit gefehlt hatte. Ich hatte ständig neue Angebote entwickelt und dabei übersehen, dass sie längst alle dieselbe Geschichte erzählen. In diesem Moment war klar, dass ich keinen neuen Namen brauche, weil ich etwas anderes mache. Ich brauchte einen neuen Namen, weil ich endlich beschreiben wollte, was ich eigentlich die ganze Zeit gemacht habe.


So ist die EQ-Zentrale entstanden: nicht als Neuanfang, sondern als deutlichere Beschreibung dessen, was längst da war.


Ein zweites großes To-do hatte übrigens gar nichts mit der Positionierung zu tun, sondern mit meinem Schreibstil. Ich habe einen ziemlich ausgeprägten Erklär-Bär in mir. Das Problem ist nur: Eine Website ist kein Seminar.

Beim Überarbeiten habe ich deshalb viele Hintergrundinformationen bewusst gestrichen. Nicht, weil sie unwichtig wären, sondern weil sie an anderer Stelle besser aufgehoben sind. Genau dafür gibt es jetzt den Blog. Wer tiefer einsteigen möchte, findet dort die Erklärungen. Auf der Website selbst darf es inzwischen auch mal reichen, ein Thema klar zu benennen, ohne gleich alles dazu zu erzählen. Das war ehrlich gesagt schwerer als gedacht.

Als die neue Website online war, blieb trotzdem eine Frage offen. Klar hat mir die neue Website gefallen. Gleichzeitig ging es mir wie wahrscheinlich jedem, der schon einmal gebaut oder renoviert hat: So richtig fertig fühlt es sich nie an. Mich hat etwas anderes interessiert: erkennt jemand, der mich vorher noch nie gesehen hat, denselben roten Faden? Oder wirkt die Website am Ende doch wieder wie eine Sammlung verschiedener Angebote?

Freunde zu fragen hätte mir dabei nicht viel geholfen. Genauso wenig meine Kunden. Die kennen meine Arbeitsweise bereits und wissen, welche Gedanken hinter den einzelnen Angeboten stecken. Mich hat die Perspektive von jemandem interessiert, der all das nicht weiß. Also habe ich eine KI gebeten, sich die Website anzuschauen.

Der Auftrag war bewusst nüchtern formuliert:

„Analysiere die Positionierung der EQ-Zentrale anhand der Website. Ordne sie im Vergleich zu typischen Angeboten im Coaching-, Trainings- und Beratungsmarkt ein. Benenne Stärken und Entwicklungspotenziale. Kein Honig.“

Mir ging es dabei nicht um eine Bewertung der Website. Auch nicht um Lob. Ich war wunderfitzig und wollte einfach wissen, welches Bild entsteht, wenn jemand völlig unvoreingenommen auf die Seite schaut.

 

Die erste Erkenntnis

Das Spannende war, dass die Analyse gar nicht dort eingestiegen ist, wo ich sie innerlich erwartet hatte. Ich hatte im Kopf immer noch Kategorien wie Coach, Trainer oder Berater. Die KI dagegen hat sich an diesen Begriffen kaum aufgehalten. Sie beschrieb die EQ-Zentrale stattdessen als eine spezialisierte Fachmarke für emotionale Kompetenz und emotionale Handlungsfähigkeit unter Druck.

Das war der erste Moment, in dem ich dachte:

Okay. Dann scheint das Rebranding tatsächlich etwas verändert zu haben.

Denn genau darum ging es mir. Nicht darum, mich möglichst schick als Coach zu präsentieren. Sondern deutlich zu machen, welches Thema sich durch meine gesamte Arbeit zieht.

 

Warum die Analyse zu diesem Ergebnis kam

Fast noch interessanter als das Fazit war die Begründung: die KI hat nicht einzelne Angebote bewertet. Sie hat nach Mustern gesucht. Und genau dort tauchte immer wieder dieselbe Beobachtung auf. Egal ob Workshops, Coachings, Mimikresonanz®, Change-Begleitung, Deeskalation oder die Zusammenarbeit mit Transfergesellschaften – die Angebote wirkten nicht wie voneinander unabhängige Leistungen.

Sie wirkten wie unterschiedliche Antworten auf dieselbe Fragestellung.

Das hat mich ehrlich gefreut. Nicht weil die KI etwas Nettes geschrieben hat. Sondern weil sie genau den roten Faden erkannt hat, den ich mit der neuen Website sichtbar machen wollte.

 

Womit ich nicht gerechnet hatte

In den vergangenen Jahren habe ich ziemlich viel Zeit in meine fachliche Entwicklung investiert. Wenn ich alle Aus- und Weiterbildungen zusammenzähle, komme ich inzwischen auf weit über 1.600 dokumentierte Stunden. Lange dachte ich, dass genau das mein stärkstes Argument ist. Die Analyse sah das etwas anders. Die Qualifikationen wurden zwar ausdrücklich als Vertrauensfaktor erwähnt. Den eigentlichen Unterschied machte aus Sicht der KI aber etwas anderes: die Klarheit der Positionierung.

Je länger ich darüber nachgedacht habe, desto plausibler wurde das. Ein Zertifikat zeigt, dass jemand etwas gelernt hat. Es beantwortet aber noch nicht die Frage, wofür jemand steht. Eine klare Positionierung kann genau das leisten.

 

Und wo sieht die KI Entwicklungspotenzial?

Das wollte ich ausdrücklich wissen. Wenn ich schon frage, dann bitte ehrlich. Überrascht hat mich, dass die Kritik weder die Website noch die Angebote oder die fachliche Kompetenz betraf. Der größte Entwicklungsbereich war aus Sicht der Analyse die Bekanntheit.

Sinngemäß stand dort:
Die Positionierung wirkt klar und glaubwürdig. Jetzt müssten einfach mehr Menschen davon erfahren.

Damit kann ich gut leben. Sichtbarkeit braucht einfach Zeit. Schon fünfmal, wenn ich kein fettes Marketing-Budget habe. Eine unklare Positionierung wäre deutlich schwieriger zu lösen. Klar braucht Google auch noch etwas Zeit, bis die alte Domain verschwindet und auch ich habe noch ein paar Stellen gefunden, die ich etwas entzerren möchte. Aber unter’m Strich bin ich echt zufrieden.

Im Nachhinein war das aber gar nicht die spannendste Erkenntnis. Ich wollte ursprünglich herausfinden, wie die neue Website wirkt. Herausgefunden habe ich, warum sich das Rebranding für mich von Anfang an richtig angefühlt hat.

 

Mein Fazit

Natürlich ersetzt eine KI keine wissenschaftliche Marktanalyse. Sie kennt nicht jeden Anbieter. Sie kann keine Erfahrung ersetzen. Und sie entscheidet ganz sicher nicht darüber, wer gut oder schlecht ist. Aber sie kann Muster erkennen. Genau deshalb fand ich dieses Experiment spannend.

Die eigentliche Antwort bestand für mich gar nicht in der Bewertung. Sie bestand darin, dass die Analyse unabhängig genau den roten Faden beschrieben hat, den ich selbst erst nach und nach entdeckt hatte.

Vielleicht war das sogar die wichtigste Erkenntnis der letzten Monate.

Die EQ-Zentrale ist nicht entstanden, weil ich plötzlich etwas anderes mache. Sie ist entstanden, weil ich endlich einen Namen gefunden habe, der beschreibt, was meine Arbeit schon seit Jahren verbindet.

Wenn Menschen, die mich vorher nicht kannten, nach dem Lesen nicht zuerst an Coaching, Training oder Beratung denken, sondern an emotionale Kompetenz und emotionale Handlungsfähigkeit unter Druck, dann hat das Rebranding genau das erreicht, was ich mir davon erhofft hatte. Dann hat sich die ganze Arbeit gelohnt.

Werdet wunderfitzig,
eure Jessi

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